Interview-Serie des Soester Anzeigers
Die Frage, ob künftig in der Gemeinde Bad Sassendorf noch ein Schulangebot für die Klassen fünf bis zehn möglich ist, wird derzeit intensiv diskutiert.
Parallel dazu thematisiert der Soester Anzeiger die Frage mit einer Interview-Serie mit den Ratsfraktionen. Für den vierten und letzten Teil sprach Ludger Tenberge mit Dr. Jürgen Mahlstedt, dem Vorsitzenden der BG-Fraktion. Das Interview wurde am 9. November 2010 veröffentlicht:
Wählergemeinschaften wie die BG sind eher lokal ausgerichtet, Schulpolitik auf Landesebene machen daher vor allem die traditionellen politischen Parteien. Angesichts der von denen oft ideologisch geführten Debatte um die richtige Schulpolitik: Wo positioniert sich die BG?
Dr. Jürgen Mahlstedt: Es ist gute Tradition der Bürger Gemeinschaft, sich nicht an ideologischen Spielereien zu beteiligen. Ich kann Ihnen deshalb auch nicht sagen, welcher Schulform wir ausdrücklich den Vorzug geben. Vor allem deshalb nicht, weil die Organisationsform der Schulen nicht die überragende Rolle spielt.
Viel entscheidender ist es, dass auf der Baustelle Schulpolitik konstruktiv Ruhe einkehrt und dieses Thema nicht weiter in Wahlkämpfen verschlissen wird. Von der Landesregierung, gleich welcher Couleur, wünschen wir uns eine nachhaltige Schulpolitik, mit klar definierten, durchaus ehrgeizigen Lehr- und Lernzielen.
Abgelöst von aller Ideologie: Wo sehen Sie die speziellen Stärken einer Gemeinschaftsschule?
Mahlstedt: Ich sehe folgende Vorteile: Eine Gemeinschaftsschule festigt die sozialen Bindungen in einer entscheidenden Entwicklungsphase der Kinder und jungen Eltern. Die Gemeinschaftsschule birgt die Chance einer besseren Entwicklung und qualifizierteren Entscheidung über den weiteren Schulweg und damit auch über den (soweit vorhersehbaren) Berufsweg der Schüler.
Die sinkenden Schülerzahlen für die Eingangsklasse der Hauptschule sind schon länger zu erwarten gewesen, hätte die Gemeinde da nicht früher reagieren müssen?
Mahlstedt: Für das Gewesene gibt es bekanntlich nichts. Wichtig ist, dass heute die Fraktionen der CDU, der SPD und der BG mehrheitlich und entschlossen hinter dem Projekt Gemeinschaftschule stehen und bereit sind, diese Schulform – wenn die Eltern sie denn wünschen – mit allem Nachdruck zu fördern und zu unterstützten.
Ohne eine Übergangsquote von 80 Prozent von der heimischen Grundschule ist das Vorhaben nicht möglich. Wie überzeugen Sie die Eltern für eine „Gemeinschaftsschule Bad Sassendorf“?
Mahlstedt: Gemeinschaftsschule in Bad Sassendorf ist nicht einfach die Fortsetzung der bisherigen Hauptschule mit anderen Vorzeichen. Es ist ein neuer Ansatz, eine ganz andere Schulform, eine neue Zielsetzung. Eine Gemeinschaftsschule in Bad Sassendorf bietet die Möglichkeiten des längeren gemeinsamen Lernens, der individuellen Förderung und der Maßnahmen der Differenzierung. Sie bietet die Chance, eine Vielzahl von Abschlüssen zu erlangen bis hin (in Zusammenarbeit mit einem Gymnasium) zum Abitur.
Ein großes Plus einer zukünftigen Gemeinschaftsschule Bad Sassendorf besteht in dem guten, modernen baulichen Zustand der bisherigen Hauptschule. Der Standort der Schule ist zentral. Im Zuge des sanften Übergangs von der Grundschule zur weiterführenden Schule bewegen sich die Absolventen der Grundschule in ihrem gewohnten Umfeld.
Eine kleine übersichtliche Schule ermöglicht eine gute Förderung und individuelle Betreuung nach den individuellen Bedürfnissen der Schüler. Ein engagiertes Kollegium kann hier erfolgreich arbeiten.
Und nicht zuletzt, die Gemeinde Bad Sassendorf führt einen ordnungsgemäßen Haushalt und sie ist deshalb – und das ist nicht zu unterschätzen – ein solider Schulträger, der in der Lage ist, auf die Bedürfnisse einer Schule vor Ort einzugehen.
Bürgergemeinschaft
Bad Sassendorf
